Freitag, 12. Januar 2007

Geschichte im World Wide Web

Geschichte im Netz – Praxis, Chancen, Visionen
Von Wolfgang Schmale

Derzeit gibt es im Netz eine Fülle von wissenschaftlichen Websites, wo bei der Großteil dieser Seiten, die in der einen oder anderen Form mit Geschichte zu tun haben, nicht den Geschichtswissenschaften entspringt. Ebenso sind in der Wissenschaft jene Seiten bekannt, die mit verstecktem oder offenem rechtsradikalen Inhalt, besonders natürlich in Bezug auf den Nationalsozialismus, hantieren. Doch es gibt auch Seiten, die alleine durch die „Kunst des Weglassens“, durch das Nichterwähnen bestimmter Tatsachen, einen fragwürdigen Ruf genießen.
Man muss auch anmerken, dass geschichtswissenschaftliche Seiten im Netz eine Minderheit darstellen. Im Gegenzug zu den vorher genannten Websites besteht auch ein mehr oder minder umfangreiches geschichtswissenschaftliches Angebot, welche von Bibliotheks- und anderen Katalogen über die Präsentation von digitalisierten Primär- und Sekundärquellen bis hin zu E-Learning oder E-Didaktik reicht.
Der aktuelle Zustand entspricht daher jenem, dass sich die alten und die neuen Medien in der Historiographie gegen- und wechselseitig beeinflussen. Bestehende Medien werden beibehalten, aber unter dem Einfluss der Neuen Medien verändert, während neue Medien eingeführt werden und sich unter dem Einfluss der alten Medien modulieren. Dies muss allerdings nicht zwingend durch eine Neukreation geschehen. Man muss hierbei beachten, dass viele Seiten im Netz nicht anderes darstellen, als eine mediengerechte Aufbereitung bereits bestehender Aufsätze bis hin zur vollständigen Monographie. Um dies zu erreichen werden im Idealfall lange Texte in einzelne Module zerlegt, um sie medienadäquat präsentieren zu können. Dies bedeutet: kurz und bündig, präzise auf das Wesentliche konzentriert und zugleich „an den Enden offen“, damit etwaige Anknüpfungen noch erfolgen können. Als Maßstab seien hier 1.500 Zeichen genannt, welche eine für das Web aufbereitete Texteinheit nicht überschreiten sollte.
Dem Web wird vorgeworfen, dass die präsentierten Inhalte lediglich einen aktuellen Diskussionsstand ablichten, was jedoch bei kritischer Betrachtung auch auf andere Medien zutrifft. Zusammenfassend kann hier resümiert werden, dass sich die unterschiedlichen Medientypen (alte und neue) gegenseitig beeinflussen, und somit den gleichzeitigen Umgang damit erleichtern.
Eng verbunden mit dem WWW ist auch die Beschleunigung der Kommunikation. Suchprozesse laufen deutlich schneller ab, auch Rezensionen oder ähnliches stehen heute viel schneller zur Verfügung. Wobei hier auch Probleme zu nennen sind: So entsprechen eingespeiste Primär- und Sekundärquellen oftmals nicht dem wissenschaftlichen Standard, vor allem in punkto Quellenkritik, Überprüfbarkeit und Verlässlichkeit. Und zusätzlich wird dem wissenschaftlichen Publizieren im Netz noch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, wie es der Fall sein sollte. Im positiven gesprochen kann man aber feststellen, dass sich die Qualität der Seiten steigert, und die aktive sowie die passive E-Medienkompetenz des Einzelnen zunimmt. Wobei hier bedacht werden sollte, dass das World Wide Web oft nicht als solches benutzt wird, sondern die Nutzer vielmehr die Seiten in der eigenen Landessprache vorziehen und erst in einem zweiten Schritt auf beispielsweise englischsprachige Seiten zugreifen.
Ebenso verquickt mit dem neuen Medium Internet ist der Siegeszug des Bildes. Kaum eine Website traut sich heute noch, ausschließlich mit Text zu arbeiten. Dementsprechend war auch der Trend in der Geschichtswissenschaft, wo die Ikonographie zunehmend an Bedeutung gewann. Ton- oder Filmelemente werden zwar schon zaghaft verwendet, allerdings dominieren noch immer Text und Bild auf wissenschaftlichen Seiten. Bei all diesen Dingen muss man jedoch immer die Copyright-Fragen im Auge behalten. Durch die Verwendung dieser verschiedensten Elemente werden zudem noch die Grenzen zur Inter- und Multidisziplinarität leichter passierbar. Weiters ist zu beachten, dass sich die Geschichtswissenschaft in diesem Punk janusgesichtig präsentiert: Einerseits wird seit langem vermehrt die Interdisziplinarität gefordert, andererseits werden interdisziplinär arbeitende Historiker oftmals belächelt, da sie als nicht eindeutig zuordenbar gelten.
Mit der Etablierung des Web setzte auch die Beschäftigung mit E-Learning ein, welche zumindest in den geisteswissenschaftlichen Fächern als „blended learning“ betrieben wird, als in einer Mischung aus Präsenz- und Online-Lehre. Durch diese Art des Lernens wird das selbstgesteuerte Lernen trainiert und gefördert. Damit verbunden ist wiederum eine gewisse Art der Schnelligkeit: man gelangt schnell zu Ergebnissen, kann Probleme und Fragestellungen schnell lösen und dementsprechend schnell Entscheidungen fällen.
Ebenso trägt E-Learning ist es auch möglich, sich die Interessen offener bzw. heterogener Zielgruppen im Netz zu Nutze zu machen.
Softwaretechnisch sei hier auf Content Management Lösungen (CMS) verwiesen, wie sie bereits in einem voran gegangen Aufsatz behandelt wurden und welche sich exzellent für teamwork-orientiertes Arbeiten eignen.
Abschließend muss noch bemerkt werden, dass durch das neue Medium Internet etliche Gebundenheiten aufgelassen wurden. Man ist nun nicht mehr zwingend an örtliche, zeitliche oder ähnliche Gebundenheiten angewiesen. Betreffend die Geschichtswissenschaften bedeutet dies: Die Fragen, die wir an die Geschichte stellen, sind an unsere Gegenwart rückgebunden. Allerdings beginnt sich unsere gegenwärtige Position, u. a. durch den Einfluss des WWW, immer mehr zu verschieben.

Reflexion: Der Text von Wolfgang Schmale ist treffend formuliert, wobei mir der letzte Teil, welcher sich mit den Visionen beschäftigt, zum Teil unverständlich aufgrund diverser Formulierungen erschien und es mir schwer fiel, dem zu folgen. Die anderen Abschnitte sind nachvollziehbar und es wird ebenso klar ersichtlich, wie schwer man derzeit Chancen und Visionen von einander trennen kann. Wenn man aber die Chancen bedenkt, welche das Internet im heutigen Zeitalter bietet, und man berücksichtigt, dass noch lange nicht das „Ende der Fahnenstange“ erreicht ist, darf man gespannt sein, welchen Stellenwert das WWW für zukünftige Forschergenerationen einnehmen wird. Im Idealfall wird die Verquickung von alten und neuen Medien noch enger werden, es kann aber ebenso sein, dass durch die neuen Medien die alten Medien zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden. Ähnliche Befürchtungen gab es allerdings auch, als das Fernsehen seinen Siegeszug hielt, und sie haben sich als nicht zutreffend erwiesen. Wie gesagt: Man darf gespannt sein, was die Zukunft bringen wird.

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