Pastperfect.at

Diese Seite ging aus einem im Jahre 2000 gestarteten Arbeitsgemeinschaft hervor. Wie man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, wirkten an deren Gestaltung und Inhalt nicht nur Historiker mit, auch der Einfluss von Mediendesignern ist unverkennbar. Ins Leben gerufen wurde pastperfect.at durch das Institut für Geschichte an der Universität Wien und Van Gogh TV. Für diese Zusammenarbeit gab es schließlich auch 2004 den Medida Prix.
Wie bereits anhand der Startseite ersichtlich ist, befasst sich pastperfect.at mit der Geschichte Europas von 1492 bis 1558. Die Seite präsentiert sich als Hypertextnetzwerk, in welchem man über 700 Texte von 60 verschiedenen Autoren finden kann. Dies steht wahlweise in Text- oder in Flashversion zur Verfügung. Die Flashversion ist meiner Meinung aufwendig gestaltet, jedoch ist die Navigierung undurchschaubar. Störend fand ich vor allem, dass man die Texte in der Flashversion nicht vollständig lesen konnt, da der untere Teil verdeckt war (ev. waren meine Einstellungen auch falsch).
Pastperfect.at bietet verschiedene geschichtliche Zugänge an: es wird Geschichte nicht nur anhand politischer Geschichte erzählt, es fließen auch Elemente der Sozial- und Wirtschaftgeschichte mit ein. Ebenso sind alltags- und kulturgeschichtliche Erzählungen zu finden. Man kann als User frei wählen, welchen Zugang man zu einem bestimmten Thema wählen möchte. Diese Zugänge sind von den vier unterschiedlichen Textebenen "Ereignisse", "Kontexte", "Rezeption" und "Reflexionen" möglich.
Zum Projekt selbst sei gesagt, dass pastperfect.at aus einer Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern, Mediendesignern und Programmierern entstand. Dies stellte für beide Seiten diesbezüglich eine Herausforderung dar, da einerseits die Wissenschaftler darauf achten mussten, ihre Texte den Erfordernissen und Möglichkeiten des Mediums anzupassen, anderseits waren die Designer und Programmierer bemüht, komplexe geschichtswissenschaftliche Inhalte medienadäquat zu präsentieren. Anliegen der Gestalter war es vielmehr, dass nicht die "eine" Geschichte erzählt wird, sondern dass sich der User aus einem Pool seine Geschichte herausfischen kann.
Wie bereits erwähnt kann man zwischen einer Text- und einer Flashversion wählen, wobei ich die Textversion als die Angenehmere empfinde, da das Navigieren im Flashmodus meiner Ansicht nach mehr Einarbeitungszeit erfordert.
Die Ebene "Rezeption" soll dem User versinnbildlichen, dass Geschichte ständig in Bewegung ist und dass Interpretationen immer einen zeitlich gebunden Background besitzen. Mit Hilfe einer Zeitleiste kann man durchs Menü navigieren.
Bei den Reflexionen findet man Essays und Erfahrungsberichte von Medien- und Kommunikationswissenschaftlern, welche vor allem darauf abzielen, eine Verbindung zwischen dem Medium Internet und der (Geschichts-)Wissenschaft an sich herzustellen. Hier wird auch ersichtlich, dass die Art des Mediums mit dessen Hilfe Geschichte erzählt werden soll, auch die Präsentation (aber auch den Inhalt) beeinflusst.
Meiner Meinung nach genügt pastperfect.at wissenschaftlichen Ansprüchen, wenn auch der Einfluss der Mediendesigner erkennbar ist. Jedoch ist diese Seite Studienanfängern nicht zwingend zu empfehlen, da manche Texte meiner Ansicht nach zu viele wissenschaftliche Termini enthalten.
Aus didaktischer Sicht bietet pastperfect.at gute Voraussetzungen, vor allem die nebenstehenden Glossars und die Biographien bieten nette Hilfestellungen. Die vielen Verlinkungen regen zum Nachforschen an. Welchem didaktischen Prinzip die Seite allerdings folgt, war für mich nicht klar ersichtlich. Meine Einschätzung diesbezüglich wäre, dass der User völlig autonom entscheiden kann, welche "Geschichte" er wählen möchte, und ihm dann diese Informationen für seinen jeweiligen Blickwinkel präsentiert werden. Also folgt so gesehen pastperfect.at dem Prinzip der "relativen Freiheit der Auswählbarkeit" sowohl des Betrachtungswinkels als auch des Themenbezugs.
FAZIT: Pastperfect.at merkt man deutlich das Zusammenspiel von Wissenschaft und Mediendesign an. Wobei ich mich persönlich in der Flashversion nicht wirklich zurechtgefunden habe. Besser ist jedoch die Textversion, wobei vor allem einige Essays im Bereich der "Reflexionen" zu einer weiteren Beschäftigung mit diesem Themenbereich anregen. Der Aufbau ist eher unkonventionell. Die Navigation ist in beiden Versionen gewöhnungsbedürftig, vor allem weil zb ich für meinen Teil einen solchen Aufbau nicht gewohnt war. Allerdings findet man sich nach kurzer Einarbeitungszeit zumindest ein wenig zurecht. Die Möglichkeit, verschiedene Zugangsweisen zu wählen, ist ebenso ein Pluspunkt. Meine Beurteilung beim ersten Besuch war "Oh mein Gott, was passiert denn hier?". Dies hat sich aber im Verlauf der Betrachtung in "Aha, ist ja ganz interessant" gewandelt. Man kann sagen, dass die Art der Präsentation durchwegs gelungen ist, wenn auch ich selbst lieber auf konventionelle Seiten zurückgreife.
Schmale - 29. Nov, 11:37

Kommentar Schmale

Was ist daran "schlecht", wenn eine Website ausnahmsweise mal "Einarbeitungszeit", wie Sie schreiben, verlangt?
Was die Sichtbarkeit der ganzen Texte in der Flashversion angeht, sollte rechts neben den Texten, wenn sie so lang sind, dass sie nicht ganz auf den Bildschirm passen, ein Rollbalken erscheinen, mit je einem Keil oben und unten, um zu scrollen.
Den didaktischen Hintergrund haben Sie im Prinip erkannt, es geht eben um die Selbständigkeit in der Auseinandersetzung mit einer historischen Darstellung. Anders als beim Buch verlangt diese Seite den Mut zur Selbständigkeit, wenn sie mit Gewinn benutzt werden soll.
Jedenfals haben Sie redlich mit der Seite gerungen - und das war ja der Zweck der Aufgabe.

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